The Good, the Bad, the In-Between – Rex Harrison

Seien wir doch einmal ehrlich: als könnte Rex Harrison jemals in einem schlechten Film gewesen sein. Zumindest fällt mir keiner ein, den ich spontan als so wirklich, richtig schlecht bezeichnen würde. Ich war nicht sehr begeistert von Anna and the King of Siam, habe den allerdings auch nie komplett gesehen. Der Mann hat immerhin 57 Filme gedreht, einige davon schwerer aufzutreiben als andere. Da ist sicherlich etwas gar schauderhaftes dabei, aber ich kenne nur ungefähr 13 seiner Machwerke und so richtig schlecht fand ich keinen. Vielleicht eher gewöhnungsbedürftig. Deswegen kommt der grandiose Rex Harrison mit einem guten, einem Film irgendwo dazwischen und einem nicht ganz so schlechten Zelluloidprodukt davon. Immerhin ist er zum Ritter geschlagen worden, da geht das.

THE GOOD – MY FAIR LADY (1964)

Eliza Doolittle (Audrey Hepburn) lebt im London und verdient ihren Lebensunterhalt als Blumenmädchen. Eines Abends verkauft sie ihre Veilchen vor der Oper in Covent Garden und wird dabei von Professor Henry Higgins (Rex Harrison), seines Zeichens Phonetiker belauscht. Higgins Beruf, und Hobby, sind Dialekte und Akzente. Er kann sie zB auf wenige Meter genau einem Londoner Stadtteil zuordnen. So erkennt er auch, dass der zufällig dabei stehende Colonel Pickering (Wilfrid Hyde-White) lange Zeit in Indien verbracht haben muss. Wie das Schicksal es so will, ist Pickering in London um Higgins zu treffen. Eliza ist beeindruckt von der Idee, dass Higgins aus ihr etwas Besseres machen könnte und beschliesst, bei ihm Unterricht zu nehmen. Pickering und der Professor wetten, dass es Higgins möglich ist, aus dem ungeschliffenen und dreckigen Mädchen eine feine Dame zu machen. Und gelockt von Schokolade und einem Dach über dem Kopf, allerdings von der Badewanne ziemlich erschreckt, ist auch Eliza einverstanden. Von da an bestehen ihre Tage aus Unterricht und Drill. Der Professor behandelt sie im besten Falle wie eine Angestellte, im schlimmsten wie Luft. Die Stimmung ist entsprechend angestrengt. Doch eines Nachts gelingt Eliza der Durchbruch; nachdem Higgins das erste Mal mit ihr gesprochen hat, als sei sie nicht nur eine nette Lampe in seinem Wohnzimmer, schafft sie es tatsächlich einen perfekten englischen Satz zu sprechen. Und verliebt sich in ihren Lehrer, der sie jedoch weiterhin wie Luft behandelt. Zumindest sehr häufig. Auf dem Pferderennen in Ascot wird Eliza schliesslich das erste Mal vorgeführt. Sie hält sich tapfer, wird aber vom Geschehen so sehr mitgerissen, dass sie in ihren alten Slang zurück fällt. Sehr zum Vergnügen des jungen Freddy Eynsford-Hill (Jeremy Brett), der ihr ab diesem Zeitpunkt den Hof macht. Schliesslich naht der grosse Ball des transsylvanischen Königshauses und nicht nur, dass der Prinz von Transsylvanien mit Eliza tanzt, nein, ein ehemaliger Schüler von Higgins glaubt sogar, dass Elizas Englisch zu perfekt sei, als dass sie Engländerin sein könne. Berrauscht von ihrem Erfolg feiern Pickering und Higgins und lassen sich gratulieren, vergessen dabei jedoch Eliza. Nach einem Streit beschliesst die junge Frau Freddy zu ehelichen und verlässt wütend das Haus…

myfairlady

My Fair Lady war einer der ersten Filme, an den ich wirklich und ganz ernsthaft mein Herz verloren habe. Und das mit uns ist noch immer grosse Liebe. Ja, ich liebe, verehre und vergöttere My Fair Lady. Es gibt nur ungefähr fünf Musicals die mich für sich begeistern konnten und My Fair Lady ist definitiv auf einem wunderbaren zweiten Platz. Und bleibt dort auch. Wann immer ich schlechte Laune habe, höre ich einfach ‚I could have danced all Night‘ und sofort geht es mir besser. Eigentlich ist jedes Lied ein absoluter Ohrwurm und noch ehrlicher gesagt: Rex Harrison ist Henry Higgins. Er spielte die Rolle als Erster (ich spreche vom Musical!), am Broadway, im West End und zehn Jahre später im Film. Darüber muss man einmal nachdenken: ein Mann, der von sich selbst behauptet, dass er nicht eine Note singen kann, spielt über 3000 Vorstellungen in einem Musical. Dessen Verfilmung, gewinnt damit den Oscar und prägt auch noch alle zukünftigen Interpretationen der Rolle weltweit! Nebenbei war er vielleicht auch noch der erste weisse Rapper. Wenn man so will. Über Audrey Hepburn zu sprechen wäre an dieser Stelle Zeitverschwendung. Es ist Audrey Hepburn, was sollte sie anderes sein als hinreissend? Über sie gibt es an anderer Stelle noch genug zu berichten. So sehr ich Julie Andrews‘ auch als Eliza Doolittle liebe, Audrey ist einfach nur umwerfend. Keine grosse Sängerin – das war ihr auch bewusst – aber eine ganz wunderbare Schauspielerin. Ursprünglich lehnte sie die Rolle im Film ab, weil sie sich niemanden andern als Julie Andrews in der Rolle vorstellen konnte, sagte aber dann doch zu, als man ihr mitteilte, dass Andrews die Rolle niemals bekäme. Synchronisiert wurde Audrey am Ende von Marnie Nixon. Nicht unbedingt die beste Wahl. Und dennoch bin ich der festen Meinung, Audrey hätte für ihre Eliza einen Oscar verdient. Sie ist hinreissend in der Rolle. Kratzbürstig und elegant. Rex Harrison nahm seine – wenn man es so sagen will – Gesangseinlagen übrigens live über das erste drahtlose Mikro auf, da sein Stil zu unberechenbar war um vrher aufgezeichnet und dann gelipsynct zu werden.

THE IN-BETWEEN – THE GHOST AND MRS MUIR (1947)

England, frühes zwanzigstes Jahrhundert. Die junge Witwe Mrs Muir (Gene Tierney) versucht mir ihrer kleinen Tochter (Natalie Wood) der leicht vereinnahmenden Familie ihres toten Gatten zu entkommen und sucht sich so ein Häuschen auf dem Lande. Der Makler bietet ihr allerlei Objekte an, doch keines scheint Mrs Muir passend. Einzig das Haus, von dem ihr der Makler trotz guter Lage und günstigen Preis abzuhalten versucht, interessiert sie. Während einer Besichtigung verlässt der Makler panisch das ‚verfluchte‘ Haus und auch Mrs Muir ist verunsichert, gleichzeitig aber sicher: das ist das Haus, das zu ihr passt. Sie mietet es und zieht mitsamt Tochter und Hausmädchen ein. Doch bereits in der ersten Nacht begegnet die junge Frau dem Geist des Hauses: Captain Gregg (Rex Harrison). Der nicht durch Selbstnord starb, wie von seiner Verwandtschaft angenommen, sondern durch einen mehr als dummen Unfall. Da er kein Testament hinterliess und somit seinem Wunsch, das Haus pensionierten Seemännern zu hinterlassen, nicht entsprochen wurde, spukt er nun in eben demselben herum. Dennoch zeigt er sich beeindruckt von Mrs Muir, die ihn nicht zu fürchten scheint und erlaubt ihr im Haus zu bleiben. Als die Witwe in finanzielle Schwierigkeiten gerät, diktiert er ihr seine Lebensgeschichte und in diesen gemeinsamen Stunden entwickelt sich eine Freundschaft, zwischen den beiden. Es gelingt Mrs Muir das Manuskript zu verkaufen, jedoch lernt sie im selben Moment einen Mann kennen. Einen Kinderbuchautor, der natürlich nicht das ist, was er zu sein scheint. Captain Gregg zeigt sich höchst eifersüchtig. Dennoch beschliesst er Mrs Muir und das Haus zu verlassen und redet ihr ein, alles sei nur ein Traum gewesen. Sie selbst habe das Buch verfasst und die Memoiren eines alten Seemannes erfunden…

ghostmuir

Was kann man über The Ghost an Mrs Muir sagen? Es ist ein seltsamer Film. So kitschig und schmalzig, dass es eigentlich weh tun müsste. Tut es auch, aber nur ein bisschen. Denn gleichzeitig ist er nämlich auch bissig und amüsant. Twilight für Erwachsene? Aus den 1950ern? Irgendwie schon. Nur viel besser. Und der einzige Grund, warum dieser Film nicht bei den guten, sondern den Filmen irgendwo zwischen gut und schlecht landet, ist der, dass er nun einmal unendlich cheesy ist. Auf nette Art, aber er treibt einem die Tränen in die Augen und eigentlich weiss man nicht, ob man heult, weil es so romantisch, traurig und schön ist oder weil es einfach schlicht und ergreifend albern ist. The Ghost and Mrs Muir ist ein Film für verregnete Sonntagnachmittage. Mit einer Tasse Tee und auf dem Sofa hockend ist das so ziemlich nah an der Perfektion. Und absolut empfehlenswert, wenn man eine wenigstens leicht romantische Ader hat. Allerdings werde ich niemals darüber hinweg kommen, dass Rex Harrison so gar nicht nach Rex Harrison klingt.

THE BAD  NOT SO GOOD – DOCTOR DOLITTLE (1967)

Doctor Dolittle spielt irgendwo in England, irgendwann im späten neunzehnten Jahrhundert. Der titelgebende Doktor (Rex Harrison) war einmal für menschliche Patienten zuständig, dieser aber mehr als überdrüssig und entschloss sich so, Tierarzt zu werden. Mit Hilfe der Papageiendame Polynesia lernte er die Sprache der Tiere, 498 Stück bisher. Goldfisch ist eine Sprache, an der er derzeit noch arbeitet, da man das natürlich unter Wasser sprechen muss. Der Katzenfuttermann Matthew (Anthony Newley) und der junge Tommy (William Dix) bringen eines Tages eine verletzte Ente zum Doktor, und so erfährt Tommy, wied er Doktor zu dem wurde, der er jetzt ist. Am nächsten Morgen, der Doktor passt einem Pferd gerade eine Brille an, erscheint dessen Besitzer, ein General, in Begleitung seiner Nichte Emma (Samantha Eggar) und beschuldigt Dolittle des Diebstahls. Als der General einem Fuchs hinterher jagt, liefern sich Dolittle und Emma ein Wortgefecht: er verschwende seine Zeit mit Tieren und sie sei eine herzlose Jägerin. In einer, beim Doktor abgelieferten Bambuskiste, entdecken er, Tommy und Matthew eine lamaähnliches Tier; ein Pushme-Pullyu, das ihm ein Bekannter geschickt hat, damit Dolittle damit seine Expedition die rosa Riesenschnecke zu finden, endlich in Angriff nehmen kann. Dolittle bringt das Tier zu Zirkusdirektor Blossom (Richard Attenborough) und gemeinsam verdienen sie so viel Geld, dass der Doktor tatsächlich seine Expedition beginnen kann. Allerdings lernt er im Zirkus auch die Seehunddame Sophie kennen. Diese vermisst ihren Ehemann und Dolittle beschliesst, sie zurück ins Meer zu bringen. Er verkleidet sie als ältere Dame, reist mit ihr zur Küste und entlässt sie dort ins Meer. Dummerweise wird er dabei beobachtet und daraufhin des Mordes an einer Frau angeklagt…

dollitte

An dieser Stelle Doctor Dolittle zu nennen ist im Grunde unfair, denn schlecht ist der Film an sich nicht. Er ist nur – seltsam. Ich meine, riesige rosa Schnecken? Ein – schon wieder singender – Rex Harrison der einen Hund anwufft, ein Schwein anoinkt und sonstige amüsante Tiergeräusche macht? Hey, was könnte an so einem Film denn bitte richtig schlecht sein? Nichts! Im Gegenteil, Doctor Dolittle ist niedlich, spassig, bunt und etwas für die ganze Familie. Ich mag ihn! Dennoch komme ich mir ein wenig seltsam dabei vor, wenn Rex Harrison eine Robbe anschmachtet, auf einer riesigen Motte nach England fliegt und mit einem zweiköpfigen, lamaähnlichen, Pushme-Pullyu tänzelt zuzusehen. Wenigstens ist der gute Doktor Vegetarier aus Überzeugung. Auch wenn er gern ab und an gern ein Steak verputzen würde. Nein, der Film ist so herzig wie schräg und trotz einer Länge von 2 1/2 Stunden durchaus gut anzusehen. Natürlich gibt es auch ein nettes, junges Mädchen, dass sich in den Doktor verliebt. Stand wahrscheinlich in Harrisons Vertrag.

Rex Harrison

Über Rex Harrison zu schreiben hiesse, ein ganzes Buch zu schreiben. Aber glücklicherweise war er so nett, das selbst zu tun. Zweimal gleich. Weswegen ich mich auf die üblichen Eckdaten, Klatsch und Tratsch und Sonstiges beschränke. Geboren wurde Rex Harrison als Reginald Carey Harrison am 05. März 1908. Den Namen Rex suchte er sich bereits als Kind aus, als er herausfand, dass dies auf Latein König bedeutete. Oder er fand nur den Namen des Nachbarhundes schön. Wer weiss das schon so genau. Harrison selbst jedenfalls nicht. Seine Karriere als Schauspieler begann im Alter von etwa 16 Jahren. Am nächstgelegenen Kleintheater trat er bald als Statist und Komparse auf, besuchte verschiedene Vorstellungen, bewunderte die damaligen Grössen des Theaters in Lancashire und Umgebung und beschloss schliesslich, nach London zu gehen um ein ernsthafter Schauspieler zu werden. Er hatte das passende Gesicht – ein wenig arristokratisch, dennoch humorvoll – für seine Zeit und so auch recht bald Erfolg. Ohne jegliche Ausbildung galt er mit 28 Jahren bereits als einer der besten Lustspieldarsteller Englands. Und Komödie war das, was ihn immer interessiert hatte. Das Timing, die Präzesion, die Fähigkeit etwas einfach und simpel aussehen zu lassen, was eigentlich harte Arbeit ist. Comedy, die Königsdisziplin.

„The important thing is to learn through experience. The more you do the more you learn. I don’t think anyone can teach acting from a podium.“
rex

Auf ganze sechs Ehen brachte es Rex Harrison. Unter anderem mit Elizabeth Rees-Williams, der ehemaligen Frau von Richard Harris, Mutter von Jared, Damien und Jamie Harris. Mit Kay Kendall war er zwei Jahre lang verheiratet. Bis zum Zeitpunkt ihres Todes. Ein Arzt hatte Harrison mitgeteilt, dass Kendall an Leukämie litt und alsbald sterben würde. Eine Tatsache die Harrison vor ihr geheim hielt, obwohl er sich sicher war, dass sie Bescheid wusste. Um mit ihr zusammen zu sein, liess er sich von der deutschen Lili Palmer scheiden und versprach dieser, sie nach Kendalls Tod erneut zu ehelichen, wozu es jedoch nie kam. Eigentlich war Rex Harrisons Liebesleben für die Medien nicht minder interessant wie alles, was Richard Burton und Liz Taylor betraf. Und aufgrund seiner vielen ausserehelichen Affären hatte er bald den Spitznamen ‚Sexy Rexi‘ weg. Ein Name mit dem er nie einverstanden war, da er sich selbst nicht so sah. Vielmehr war Harrison der Überzeugung – da mit einer liebevollen Mutter und zwei Schwestern aufgewachsen – Frauen seien ein Geschenk Gottes. In diesem Zusammenhang ist es übrigens interessant, seine erste Biografie ‚Rex‘ (1975) zu lesen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war er noch mit Elizabeth Rees-Williams verheiratet, eine Ehe, die am Ende nicht sonderlich lang hielt. Harrison wurde allgemein als launisch, cholerisch, arrogant und unfreundlich beschrieben. So soll er vor dem Theater wartende Fans beiseite geschubst und Frank Sinatra geschlagen haben. Ebenso taucht sein Name im Zusammenhang mit dem Selbstmord der Schauspielerin Carole Landis, mit der er – natürlich – eine Affäre hatte unrühmlicherweise auf. Beide hatten sich noch am Vorabend getroffen. 1982 beendete Harrison seine Filmkarriere, trat jedoch weiterhin mehr als erfolgreich am Broadway und im West End auf. 1989 wurde er von Königin Elisabeth II in London zum Ritter geschlagen. Rex Harrison starb am 02. Juni 1990 in Manhattan. Erst kurz zuvor war bei ihm ein Panreastumor diagnostiziert worden.

„There’s always a struggle, a striving for something bigger than yourself in all forms of art. And even if you don’t achieve greatness – even if you fail, which we all must – everything you do in your work is somehow connected with your attitude toward life, your deepest secret feelings.“

THE GOOD, THE BAD, THE IN-BETWEEN ist ein Reihe, die genau das hält, was sie verspricht: in unregelmässigen Abständen werden hier drei Filme diverser Schauspieler vorgestellt. Gute Filme, schlechte Filme und Filme, die irgendwo dazwischen stehen.

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