somewhere – sofia coppola erklärt uns hollywood

Grundsätzlich mag ich Sofia Coppola sehr gern. Das kleine Problem am vorangegangenen Satz ist eben dieses ‚eigentlich‘, denn oft langweilen mich ihre Filme. Zumindest beim ersten Mal. Aber glücklicherweise bin ich mit einem furchtbar schlechten Gedächtnis gesegnet und komme so in den Genuss, die meisten Filme zwei- oder dreimal sehen zu dürfen/müssen. Fand ich zB Lost in Translation beim ersten Mal absolut unbedeutend, so konnte er mich beim zweiten sehen durchaus für sich begeistern. Auch wenn ich Scarlett Johanson noch immer unerträglich, unsymphatisch und untalentiert finde. Sie ist auch einer der Gründe, warum mir Woody Allen Filme so vergällt wurden. Aber es geht weder um Allen, noch um Johanson, noch um LiT, sondern um Somewhere.
somewhere1

Die Geschichte ist schlicht: Johnny ist Schauspieler und das erfolgreich. Doch eigentlich geht ihm das alles am A**** vorbei. Er ist gelangweilt und verbringt seine Zeit mit Tabletten, Alkohol und Mädchen im berühmt-berüchtigten Chateau Marmont in LA. Einzig Johnnys Tochter Cleo bringt ein wenig Leben ins überteuerte Hotelzimmer, wenn sie vorbeischaut.

Man muss diese Art Filme mögen, denn ehrlich gesagt: es passiert absolut gar nichts! Es wird geraucht, gegessen, getrunken, gestrippt, wieder gegessen, geschlafen, geduscht, geschwommen, gegessen, gespielt, geweint und gefeiert. Der Film ist langsam, langatmig aber nie langweilig. Eigentlich sieht man Johnny beim Leben zu und das ist so interessant wie eben auch öde. Denn das Leben besteht eben nicht nur aus Oscarverleihung und geilen Weibern – oh, Moment – Johnnys Leben besteht eigentlich genau daraus. Und das ist die Stärke des Films: er stellt den Glamour, den man so im Allgemeinen mit Hollywood verbindet als das da, was er nun einmal ist: Alltag, für diejenigen, die das ‚Ziel‘, den Ruhm, bereits erreicht haben. Der Preis ist Einsamkeit und Unselbstständigkeit. So weiss Johnny nicht einmal, dass seine Tochter bereits seit drei Jahren zum Eiskunstlaufen geht.

somewhere

Mein Fazit: Somewhere ist ein Film für den Sommer. Für die eher lauen Abende, wenn die drückende Hitze des Tages endlich weicht und man aufatmen kann. Genau so fühlt sich Somewhere nämlich an. Stephen Dorff und Elle Fanning (endlich eine Fanning die ich mag!) spielen beide ihre Rollen einfach nur wunderbar. Besonders Fanning, denn Cleo himmelt ihren Vater einerseits an, so wie Elfjährige das nun einmal tun, und muss doch gleichzeitig in die Rolle der Mutter schlüpfen, denn wenn einem einfach Alles abgenommen wird, dann verlernt man eben vieles selbst zu tun. So bleiben die Frauen in Somewhere alle blass, bis auf eben Cleo. Aber vielleicht ist das beabsichtigt. Richtig fühlt es sich auf jeden Fall an, denn die Tochter ist die einzige Konstante im Leben von Johnny. Es gibt keine grossen Wendungen oder grandiose Enthüllungen in Somewhere und das ist gut so. Ein Sofia Coppola Film, der mir tatsächlich beim ersten Mal schon gefallen hat.

✔✔✔✔✘

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s