HANNIBAL – oder die grösste Enttäuschung des Jahres

Ich habe es wirklich versucht. Ich wollte Hannibal ernsthaft mögen und ich hatte grosse Hoffnung. Der Anfang war doch so vielversprechend: Hugh Dancy als Will Graham – ich war tatsächlich versucht eine gewisse Ähnlichkeit mit William Peterson, der 1986 in der gleichen Rolle in Manhunter zu sehen war, zu unterstellen. Und eigentlich tu ich das noch immer. Nur hörte es für mich damit dann auch schon kurz vor Hälfte der ersten Folge auf. Wenn die Serie Hannibal heisst, erwarte ich dann nicht auch Hannibal? Irgendwo?

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Was genau hat mich eigentlich so enttäuscht? Zum Einen liegt es daran, dass Hannibal Lecter selbst, obwohl Titelfigur, kaum vorzukommen scheint. Ab Hälfte der Serie wird das etwas besser, aber theoretisch hätte man die Sendung auch Die Will Graham Show nennen können. Wahrscheinlich wäre ich dem dann auch wesentlich positiver gegenüber eingestellt. So kommt es mir nur vor, als versuche man möglichst drastische Morde, möglichst ekelhaft-ästhetisch und möglichst offensichtlich von Lecter teilweise oder komplett selbst begangen in jede Folge einzubauen. Und gesehen hat man doch jede Storyline auch schon irgendwie. Dafür, dass Hannibal eigentlich die Vorgeschichte zu Red Dragon, Silence of the Lambs und Hannibal sein soll, kommen einem dann doch viele Sachen mehr oder weniger bekannt vor. Ich verweise nur auf den Wundenmann. Der spielte doch in Red Dragon mit Anthony Hopkins bereits eine Rolle. Allgemein empfinde ich den Umgang mit Textzeilen oder gar Kameraeinstellungen aus den vorhergegangenen Filmen doch als fragwürdig. Manches mag vielleicht als Hommage gedacht sein, vieles wirkt mir aber zu geklaut.

Und wer bitte ist Hannibal Lecter? Die Martha Stewart der Serienkiller? Ist das seine Aufgabe, jede Folge was zu kochen und nett auf französisch zu plaudern? Ja, wir haben es: Kannibale. Das ist die ersten beiden Male ja noch amüsant, aber irgendwann reicht es dann doch auch. Soll man jetzt über jedes Schnitzel in Gedanken ausbrechen, ob menschlich oder doch Schwein? Nach zwei, drei Folgen ist das leider weder schockierend, noch sonst irgendetwas. Vielleicht gibt es auch einfach zu wenig kochende Männer im US-amerikanischen Fernsehen und Hannibal füllt da eine erhebliche Lücke? Überhaupt; warum lädt Lecter quasi jeden Menschen, den er nur kurz ansieht, zum Essen ein? Und das ganze Gemorde? Passt das tatsächlich zu Hannibal Lecter? Soweit ich mich erinnere, ass Lecter nur die unhöflichen Menschen. Er war eigentlich niemand, der aus Lust und Laune mordete, sondern das immer vor sich selbst rechtfertigen konnte.

hannibal2

Über Mads Mikkelsen als Hannibal bin ich mir derzeit mit mir selbst nicht einig. Natürlich ist er anders als Hopkins und das finde ich eigentlich sehr gut. Hopkins war gut in dieser Rolle, doch er war nicht unbedingt der tänzerische Hannibal, den Thomas Harris in seinen Büchern beschrieben hat. Mikkelsen jedoch war lange Tänzer und er spielt Lecter durchaus charmant, aber für mich fehlt da das gewisse Etwas. Mikkelsen ist ein definitiv ansehnlicher Mann (und ich mag mir gar nicht ausmalen, was derzeit auf fanfiction.net abgeht), aber er hat nichts zu tun, ausser zu kochen, ab und zu mal jemanden zu ermorden und attraktiv neben Hugh Dancy zu stehen (und das kann der schon gut selber). Und – irre ich mich – sind da nicht ein paar seltsame Anspielungen auf Patrick Süsskinds Das Parfüm zu finden? Vielleicht erinnere ich mich auch falsch, aber dass Hannibal Lecter einen derart ausgeprägten Geruchssinn hat, war mir nicht bewusst.

Es gab dennoch Momente, die mein Fanherz (oder bin ich einfach nur wehmütig?) ein klein wenig höher schlagen liessen; so zum Beispiel Bachs Goldberg Variationen, die man ebenfalls bereits aus den Filmen kennt und sozusagen Hannibals Markenzeichen sind. Oder aber auch die durchaus augenfällige Ähnlichkeit der Titelschrift mit der des Filmes Hannibal. Vor wenigen Wochen wurde Hannibal um eine zweite Staffel verlängert, wobei die vierte – so denn sie denn kommen mag – auf den Ereignissen aus Red Dragon basieren soll. Problematisch wird es dann erst mit Silence of the Lambs, da NBC nicht die benötigten Rechte an den Charakteren besitzt. Keine Clarice Starling also, kein Jame Gumb (der aber in der ersten Season bereits einen kleinen Gastauftritt hatte, wenn man es denn so will).

Mein Fazit: Hannibal ist gut, aber nicht gut genug. Die Serie kommt nicht an die Erwartungen heran, die ich an sie hatte. Ich glaube auch kaum, dass die letzte Folge am Donnerstag das ändern kann, dennoch ist es eine Serie, die ich rein aus Prinzip weiter verfolgen werde. Das Konzept ist ein Gutes, die Ausführung leider nur mangelhaft. was am Ende immer noch eine Serie ergibt, die man sich durchaus ansehen kann.

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