once – von den strassen dublins ins studio

Eigentlich ist Once eine typische Boy meets Girl Geschichte.  Nicht nur, weil die beiden Charaktere keinen Namen haben und im Abspann als Boy und Girl bezeichnet werden, sondern auch, weiles eben so ist. Und dennoch endet es diesmal eben nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde. Oder es sich erhofft. ER ist ein Strassenmusiker, hilft tagsüber seinem verwitwetem Vater dabei Staubsauger zu reparieren und spielt am Nachmittag und Abend auf der Strasse die Songs anderer und seine eigenen. SIE ist Tschechin, findet eigentlich nur seine Musik gut und gibt ihm 10 Cent. Die beiden kommen ins Gespräch und es entwickelt sich eine Freundschaft. Eines Tages beschliessen sie, dass seine Songs gehört werden müssen und buchen ein Studio.
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Was aus ihm wird, wie es mit ihr weitergeht, das erfährt der Zuschauer nicht. Wir wissen nicht, ob einer von beiden am Ende seines Lebens glücklich geworden ist, ob er Erfolg hatte, ihre Beziehungen funktionierten. Alles was wir sehen, ist ein Ausschnitt aus dem Leben zweier Menschen. Wir kennen nicht den Anfang ihrer Geschichten (obwohl wir natürlich darüber etwas erfahren) und wir kennen nicht das Ende. Was nur logisch ist, denn das kennen die Protagonisten ebenfalls nicht.

Gefilmt wurde im Dogma-Stil, hauptsächlich mit Handkameras, was dem Film eine intime Athmosphäre gibt, ihn teilweise sogar wie eine Dokumentation erscheinen lässt. Gekostet hat das Ganze am Ende 130 000 Euro, 100 000 davon stammen vom irischen Film Board. Ich mag den Film wirklich sehr gern, dennoch erschliesst es sich mir nicht, was an der sache denn nun 130 000 gekostet haben soll. Gedreht wurde in den Wohnungen der Crew, besonders krasse Effekte gibt es selbstverständlich auch nicht – was wurde mit den 130 000 gemacht? Wenn man bedenkt, dass Robert Rodriguez seinen ersten Spielfilm El Mariachi mit einem Budget von 9000 US-Dollar gedreht (und nur 7000 davon verbraucht hat), dann erschliesst sich mir das einfach nicht. Nichts desto Trotz ein toller Film, den man sich durchaus ansehen kann, vielleicht sogar sollte. Vorallem, wenn man Musik, Dublin und realistische Geschichten mag. Der Song ‚Falling Slowly‚ hat 2008 sogar den Oscar als Bester Filmsong gewonnen.

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Fazit: Once hat Längen und das nicht zu knapp. Der Soundtrack ist tatsächlich wunderbar und ich höre ihn durchaus gern, aber nach einiger Zeit nervt es, dass gefühlt jedes Lied komplett gespielt wird. Schliesslich schaut man kein Konzert sondern einen Film. Bezaubern kann Once dennoch. Nicht nur, weil es eben keine schmalzige Liebesgeschichte ist und am Ende Strassenmusiker und Pianistin zusammenfinden, sondern eben, weil es eine Liebeserklärung ist: aber an die Musik. Und an das Leben und die Ehrlichkeit. Ob er mit seiner Ex-Freundin tatsächlich wieder glücklich werden kann? Sie hat ihn betrogen, sowas verwindet man nicht einfach und er ist definitiv sauer auf sie. Ergo: Happy End relativ unmöglich. Und bei ihr? Zwei Jahre hat sie ihren Mann nicht gesehen, der ihre Musik albern fand, der auch seine kleine Tochter kaum kennt. Kann das gut gehen? Für immer? Wohl eher nicht. Aber auf den Versuch kommt es an. Und darum geht es eigentlich bei Once, den Versuch. Und die Hoffnung, dass sich alles ändern könnte, wenn man nur eben etwas tut und aktiv wird.

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